Magazin

Flygskam – Flugscham und warum ich von München nach Düsseldorf fliege…

Die heilige Greta Thunberg hat es losgetreten. Flugscham ist der neue Hit von ihr. Es geht darum das wir zu viel fliegen. Aber fliegen wir wirklich so viel? Die Schweden fliegen im europäischen Vergleich auf jeden Fall sehr viel. Das liegt einmal an den günstigen Flügen und zweitens an der geografischen Lage. Sie wohnen halt ziemlich im Norden und bis ans Mittelmeer ist es halt nen Stück.

Aber gehen wir mal von dem normalen Deutschen aus. Wie oft fliegt der denn tatsächlich? Ich denke die meisten fliegen wenn überhaupt 1 mal im Jahr in den Urlaub. Also zwei Flüge, hin und wieder zurück. Klar in meinem Bekanntenkreis gibt es auch Menschen die fliegen viel öfter, hier liegt es allerdings daran, dass sie Familie im Ausland haben.

Ich fliege dieses Jahr auch genau zweimal. Einmal von Düsseldorf nach Mailand und einmal von München zurück nach Düsseldorf. Von Mailand nach München geht es mit dem Rad. Aber zurück zu den Flügen…

Ich fliege von Düsseldorf nach Mailand für etwa 80€ inkl. Gepäck. Das ist, wie ich finde, sehr günstig. Liegt vermutlich auch daran, dass ich schon einige Monate vorher gebucht habe. Alternativ hätte ich auch mit dem Bus des Radtourveranstalters nach Mailand fahren können. Preis: 100€. Dauer 18 Stunden… Nein Danke im Leben nicht. Mehr bezahlen und dann ewig im Bus sitzen? Selbst wenn der Flug 200€ gekostet hätte, wäre ich geflogen. Solche Strecken mit dem Bus oder Zug zurückzulegen ist einfach ein Graus.

Nun aber zu dem „bösen“ Flug. München – Düsseldorf. Muss das wirklich sein? Flugzeit: 1:45 Stunden, der Zug in der Direktverbindung ca 4:30 Stunden. Also warum habe ich hier den Flug gebucht? Eigentlich bin ich kein großer Fan vom Fliegen, wenn es sich irgendwie vermeiden ließe, würde ich nicht fliegen…

Hä? Ich könnte Bahn fahren!!! Ja könnte ich tatsächlich. Aber die Bahn ist einfach so mies, dass ich Bahn fahren noch mehr vermeide! Ich hab bei den Vögeln von der Bahn einfach kein Glück. Letztes Jahr bin ich vier mal Bahn gefahren und es hat nicht einmal vernünftig geklappt. Das erste mal gab es auf dem Weg erst Signalstörungen und dann nen Oberleitungsschaden. 1,5 Stunden war ich später am Ziel.

Die selbe Strecke zurück war auch ein Segen. Nur weil die Hinfahrt schon so mies war, habe ich an dem Tag vorher mal in die Bahnapp geschaut: „Ihr Zug hält nicht am Startbahnhof“. Na geil, aber ne Pushnachricht oder ähnliches gab es natürlich nicht. Also habe ich meinen Zug gesucht und nichts gefunden. Klasse, mein Zug hält nicht bzw fährt gar nicht. Nach gut 40 Minuten Recherche hab ich dann herausgefunden, dass es einen Schienenersatzverkehr gibt der eine gute dreiviertel Stunde eher abfährt. Yeah. Hoch die Hände! Also ging es dann richtig klapprigen Schrottbussen übers Land zum nächsten Bahnhof. Der Rest der Zugfahrt hat dann tatsächlich ordentlich geklappt…

Die dritte Strecke war von einem kleien Bahnhof in der Nähe von Duisburg in Richtung Düsseldorf. Wir waren dort gegen 0:45 Uhr und sind dann in den Zug Richtung Krefeld gestiegen. Dort mussten wir dann umsteigen und nach Düsseldorf fahren. Wie der Zufall es so will, hat unser Zug Verspätung und wir kommen zu spät in Krefeld an. Der Zug nach Düsseldorf ist weg. Schonmal um 1 Uhr nachts in Krefeld auf dem Bahnhof gestanden? Nicht so schön. Der nächste Zug wäre dann erst wieder kurz nach 2 Uhr gefahren. Da wir unsere Fahrräder dabei hatten, hab ich nur gemeint, bevor ich eine Stunde auf die schäderige Bahn warte, fahre ich die 15 KM nun mit dem Rad.

Und nun kommen wir zum vierten Streich: Die absolute Knaller: Ich bin wieder mit dem Rad unterwegs und von Düsseldorf nach Rotterdam gefahren. Im Vorfeld hab ich mich nach den verschiedenen Reisemöglichkeiten erkundigt. Eigentlich kam ja nur Bus oder Bahn in Frage. Leider waren alle Busse mit Fahrradmitnahme ausgebucht und ich musste auf den Zug ausweichen. Ich ahnte schon, das wird wieder nix… Und so sollte es auch kommen. Ich habe mir ein Ticket von Rotterdam nach Düsseldorf gekauft. Zweimal umsteigen mit jeweils 10-15 Minuten Umsteigezeit. Au weia, das geht nie und nimmer gut hab ich mir gedacht. Als ich dann in Rotterdam am Bahnhof war fing der Mist dann an. Keine Anzeige am Gleis, kein Schild, keine Nachricht in der App. Misst irgendwas ist schon wieder faul. Nach etwa 10 Minuten nach der angegebenen Abfahrtszeit habe ich vor Ort ne Bedienstete gefragt wo denn der Zug bleibt. „Der Zug fährt nicht, Gleisbauarbeiten“ -> Ich: Augen verdreh… Das kann doch nicht wahr sein… Da hab ich der Guten gesagt, ich muss nach Düsseldorf und sie hat mir dann eine neue Route rausgesucht. Dafür müsste ich aber in 2 Minuten auf nem anderen Bahnsteig sein und das mit dem 30 KG Fahrrad. Ich sag nur, das schaff ich. Wir beide losgerannt und oben dann festgestellt, der Zug hat Verspätung. Ein Glück, so konnte ich mir noch mal die neue Route von ihrem Planer abfotografieren. Im Zug habe ich dann die Strecke noch mal kontrolliert: Einmal umsteigen in Eindhoven, 7 Minuten Zeit, einmal in Venlo 8 Minuten Zeit. Auf die Uhr geschaut, boah nee, wir sind mit 10 Minuten Verspätung losgefahren. Das wird doch wieder nichts. In Eindhoven hat der Zug zum Glück gewartet und es ging weiter Richtung Venlo. Der Zug hat richtig Gas gegeben und wir waren sogar pünktlich da. 8 Minuten zum Umsteigen. Ein Traum. Gechillt schiebe ich mein Rad die Treppe runter und wieder hoch zum nächsten Gleis. Und auf einmal gehen alle Leute schneller… Und ich gehe auch schneller und komme dann in Indien an. Zumindest sah es so aus. Der winzige Zug der auf dem Gleis stand war voll. Rappelvoll. Gefühlt der komplette Zug von Eindhoven wollte in den Richtung Hamm. Und der war voll. Und ich hatte noch ein Rad mit Satteltaschen… Ich bin bis zum Zuganfang gelaufen und wieder komplett zurück. Alles Rappelvoll. Ich: Leute, es tut mir Leid, ich muss hier mit meinem Rad auch noch rein. Im Abteil alles voll mit noch weiteren vier Rädern und einem Kinderwagen. Alle haben sich reingquetscht und der Zugührer hat ihn tatsächlich gebracht: „Genießt das Leben in vollen Zügen“. Ich war noch nie in einem so vollen Zug. Umfallen ging wirklich nicht mehr. Nach zwei Stationen ist dann da nen Mädel zusammen geklappt… Dann brüllten die ersten der Zug sei voll und es soll keiner mehr einsteigen und sie müssten noch Anschlusszüge bekommen. Die Nummer mit den Anschlusszügen konnten die Mitreisenden mal komplett vergessen… Der Grund für den vollen Zug war ein Böschungsbrand auf der anderen Straßenseite von den Gleisen. Somit ist der Zug der eine Stunde vorher gefahren ist, einfach zurück nach Venlo gefahren und deshalb war der schon so voll als wir ankamen. Insgesamt hatte der Zug dann 45 Minuten Verspätung und das Highlight war das kleine Mädchen in dem erwähnten Kinderwagen. Die wollten in Mönchengladbach aussteigen aber durch die Verspätung hat das Mädchen es nicht rechtzeitig aufs Klo geschafft. Die arme hat sich eingelullt und somit lief dann zur Krönung noch Ihre Pipi durch das Abteil. Ich bin dann in Neuss ausgestiegen und war bedient.

Also warum fliege ich nun München Düsseldorf? Kann man sich schon fast denken. Die Bahn ist einfach nicht mein Ding. Vermutlich bin ich zu blöd zum Bahnfahren. Ich denke Strecken ohne Umsteigen sollten klappen, aber wenn ich es vermeiden kann, fahre ich lieber nicht Bahn. Strecken wie Nürnberg – München sind echter Unfug aber München Düsseldorf kann man ruhig machen. Der Preis Bahn im Vergleich zum Flug war identisch. So spare ich etwas Zeit und ich glaube auch der CO2 Ausstoß ist vermutlich nahezu identisch. Warum? Die CO2 Angaben in den tollen Tabellen der Züge werden immer mit der durchschnittlichen Auslastung der Züge berechnet. Was ist denn durchschnittlich? Viele Züge fahren fast komplett leer am Tag. Ich denke hier wird einiges schöngerechnet. Ich versuche hier mal eine ordentliche Statistik zu finden.

FAZ: Wie die Bilanz geschönt wird: https://www.faz.net/aktuell/wissen/klima/klimabilanz-der-bahn-noch-eine-unbequeme-wahrheit-1488587.html